10 Jahre VDP.SEKT.STATUT: Was hat sich beim deutschen Sekt verändert? Zehn Jahre VDP.SEKT.STATUT sind ein guter Anlass, einmal nicht nur auf Regeln und Kategorien zu schauen, sondern auf das, was am Ende zählt: den Sekt im Glas.
Zehn Jahre VDP.SEKT.STATUT. Das klingt trocken nach Regeln, Kategorien und ziemlich viel Weinrecht. Für mich ist es vor allem ein Anlass, zurückzublicken – und anschließend ins Glas zu schauen. Ende 2015 entstand der erste Entwurf für ein Regelwerk, das heute fest im Verband verankert ist: VDP.SEKT und VDP.SEKT.PRESTIGE®. Zehn Jahre sind ein guter Moment, um zu schauen, was aus einer Idee wurde und vor allen Dingen, was man schmecken kann.
Warum der VDP beim Sekt neue Maßstäbe setzen wollte
Deutschland ist traditionell ein Sektland, doch international verband man mit heimischen Perlen lange Zeit selten Handwerk oder Herkunft. Das war bemerkenswert, denn Winzerinnen und Winzer – gerade des Verbandes der Prädikatsweingüter – arbeiteten längst an Spitzenqualitäten und haben sich im Stillwein bereits einen Namen gemacht. Der VDP wollte diese Spitzen sichtbar auch beim Schaumwein sichtbar machen. Ein Anspruch an die Herkunft sollte schließlich nicht an der Flaschengärung enden.
Wenn ein VDP-Weingut für die Qualität seiner Stillweine steht, sollte diese Qualitätsphilosophie auch für seinen Sekt gelten.

Von der Idee zum fertigen Statut
Ende 2015 entstand der erste Entwurf des VDP.SEKT.STATUTS. Danach wurde diskutiert, verändert und weiterentwickelt. Es galt auch die Frage zu beantworten kann man das Statut für Stillweine so ohne weiteres auf Schaumweine übertragen. 2021 wurde das Statut verabschiedet und 2022 im Rahmen einer Masterclass öffentlich vorgestellt.
Die Grundidee war klar: Herkunft, Handwerk und Zeit sollten im Sekt eine größere Rolle spielen.
Das VDP.SEKT.STATUT schreibt unter anderem Handlese, Ganztraubenpressung und traditionelle Flaschengärung vor. Für VDP.SEKT gelten mindestens 15 Monate Hefelager, für VDP.SEKT.PRESTIGE® mindestens 36 Monate. Zunächst einmal eine Zeitangabe, aber Interessant wird es erst, wenn man schmeckt, was diese Zeit mit einem Wein macht. Denn viele Weingüter des Verbandes mussten auch erst einmal die Bedingungen für die Produktion schaffen.
Seit 2022 ist einorm viel passiert. Immer mehr Betriebe zeigen, wie facettenreich und hochwertig deutscher Schaumwein ist – neben Riesling glänzen Chardonnay, Pinot Noir und Meunier. Der Rahmen steht, die Winzer füllen ihn immer besser mit eigener Handschrift – und noch wichtiger mit Qualität!
Neue Rebsorten und die Realität im Glas
2025 setzte der Verband mit „Everything but Riesling“ einen klaren Akzent. Ausgerechnet der Riesling musste kurz weichen, was beim Nachdenken Sinn ergab. Wer international mitreden will, braucht Burgunder-Schaumweine und genau das wollte man dem internationalen Fachpublikum in Mainz zeigen. Plötzlich wurde aus deutschem VDP Sekt eine große, spannende Spielwiese.
Der Lagebericht 2026 bestätigt nun den Erfolg in Handel und Gastronomie. Doch Marktwirkung ist nur die halbe Miete. Qualität muss man schmecken. Sind die Sekte wirklich präziser geworden? Wie viel Herkunft überlebt die lange Hefezeit? Beim Stillwein sprechen wir selbstverständlich über Lagen, beim Sekt macht das Hefelager die Sache komplexer. Kann man die Mosel von Rheinhessen im Prickeln unterscheiden? Fragen, die sich auch der VDP stellen muss.

Die VDP Sparkling Edit startet mit Blanc de Blancs
Ich nehme das Jubiläum zum Anlass für eine persönliche Reise durch die VDP-Sektwelt und starte mit den Blanc de Blancs. Gerade hier liegen gewaltige Kontraste zwischen kreidiger Straffheit und großzügiger Cremigkeit. Mich interessieren dabei die Entwicklung, die Qualitäten aber auch welche Sekte eine vielleicht besondere Geschichte erzählen. Dabei stellt sich auch eine unbequeme Frage: Was ist mit hochwertigen Sekten, die bewusst außerhalb des Statuts abgefüllt werden? Ein Regelwerk macht Qualität sichtbar, aber vielleicht liegen die spannendsten Geschichten manchmal genau daneben.
Zehn Jahre sind erst der Anfang
Der VDP hat vieles bewegt, laut Lagebericht ziehen Handel und Gastronomie mit, aber wie sieht es beim Endverbraucher aus? Generell ist im (inter-)nationalen Schaumweinmarkt eine eigene Bewegung zu sehen, ein Markt, der sich in der aktuellen schwierigen Lage gut behauptet. Nun beginnt eine sehr interessante Frage, die ich auch als Sektbotschafterin der Sektmacher in meiner Rede thematisiert habe: Kann deutscher Sekt eine ebenso eigenständige Rolle einnehmen wie Champagne oder Cava?
Eine Frage, die sich mit der Zeit theoretisch zwar beantworten lässt, aber ebenso am Gaumen überzeugen muss. In den kommenden Wochen stelle ich meine persönliche Auswahl vor, gestartet wird mit den Blanc de Blancs. Am Ende entscheidet nicht das schönste Papier, sondern der Inhalt im Glas.
WeiterLesen
Meine wichtigsten Beiträge zur Entwicklung des deutschen Spitzensekts:
VDP.SEKT.STATUT – Wie alles begann
VDP.SEKT.STATUT heute – Caroline Diel über fünf bzw. zehn Jahre Entwicklung
VDP Weinbörse 2025 – Everything but Riesling
Deutscher Sekt – die neue Spitze der Schaumweinwelt – die große Einordnung
Goldloch 2008 Brut Nature – wenn Herkunft und Reife ins Glas kommen
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Ich verkoste ausgewählte VDP.SEKT.PRESTIGE® Blanc de Blancs und zeige, welche Weine mir besonders aufgefallen sind – nicht nur nach Qualität, sondern nach Stil, Herkunft, Reife und Eigenständigkeit.
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Schaumweinmagazin Redaktion
Nicole Wolbers ist DipWSET, zertifizierter Cava Educator und Gründerin des Schaumweinmagazins. Als Autorin, Referentin und Moderatorin beschäftigt sie sich mit Schaumwein, Weinregionen und der Frage, wie sich Herkunft, Kultur und Nachhaltigkeit im Wein verbinden.
Credit: Fotos Nicole Wolbers /Titelbild: Image VDP.Verband der Prädikatsweingüter




