Erste Sektbotschafterin: Warum deutscher Sekt endlich eine eigene Sprache braucht. Mainz war zur Sektbörse 2026 mehr als nur ein Gastgeber. Die geschichtsträchtige Stadt war Bühne, Ursprung und Symbol zugleich. Mit der Ernennung von Nicole Wolbers zur erste Sektbotschafterin für deutschen Sekt des Verbands traditioneller Sektmacher wurde hier ein neuer Höhepunkt in der Geschichte des deutschen Sekts markiert.

erste Sektbotschafterin für deutschen Sekt: Ein neuer Titel für die deutsche Schaumweinkultur
Zwischen kurfürstlicher Historie, französischem Einfluss und rheinischer Genusskultur begann einst die eigenständige Geschichte des deutschen Sekts. Doch diese Tradition wird heute oft unterschätzt. Wie stark Mainz und Rheinhessen historisch mit der heimischen Schaumweinkultur verbunden sind, zeigt das Schaumweinmagazin auch in der Reihe #sekttourdeutschland.
Genau an diesem Ort wurde ich zur ersten Sektbotschafterin des Verbands traditioneller Sektmacher ernannt. Für mich ist dieser Titel kein reines Statussymbol, sondern eine echte Aufgabe. Die Zukunft des Sekts entscheidet sich schließlich nicht nur im Keller, sondern vor allem in seiner Sichtbarkeit. Welche kulturelle Rolle spielt deutscher Sekt heute eigentlich?
Sekt war nie nur ein Getränk
Wenn heute über Sekt gesprochen wird, geht es entweder um günstigen Massensekt aus Tankgärung für die Partylaune oder im besten Falle um die Nischen-Premium-Produkte. Im hochwertigen Bereich stehen meist technische Begriffe im Fokus:
- Dosage und Hefelager
- Handlese und traditionelle Flaschengärung
Diese Aspekte sind wichtig, aber die eigentliche Geschichte des Sekts war immer größer. Beide Kategorien sind historisch tief miteinander verbunden. Sekt war nie nur ein Getränk. Er stand immer auch für Gesellschaft, Aufbruch und kulturelle Bedeutung.
Schon im späten 18. Jahrhundert wurde am kurfürstlichen Hof in Mainz mit Schaumwein experimentiert. Inspiriert von französischen Methoden entstand keine bloße Kopie der Champagne. Es war vielmehr der Versuch, etwas Eigenes zu schaffen. Es ging nicht um Nachahmung, sondern um Übersetzung.
Der französische General Custine war damals sichtlich überrascht. Er erfuhr erst spät, dass der edle „Champagner“ in seinem Glas aus der kurfürstlichen Kellerei stammte. Vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Geschichte des deutschen Sekts: als eigenständige Sprache im Glas.

Die große Sichtbarkeitslücke des deutschen Sekts
Historisch gesehen war deutscher Schaumwein international sichtbarer, als viele heute annehmen. Auf den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts stand er selbstbewusst neben Champagner. Sekt wurde zum Symbol von Moderne, Fortschritt und gesellschaftlichem Wandel. Es ging nie nur um Wein, sondern immer um Bedeutung. Genau hier liegt jedoch das heutige Problem.
Während Champagner über Jahrzehnte hinweg kulturell aufgeladen wurde – durch Mode, Film, Luxus und Architektur –, kommuniziert deutscher Sekt oft zu klein. Die Masse an billigen Schaumweinen prägt leider das Image. Die Kommunikation wirkt oft zu technisch und zu defensiv.
Die Qualitätsfrage ist längst positiv beantwortet. Die eigentliche Frage für mich als Gründerin des Schaumweinmagazins und nun erste Sektbotschafterin für deutschen Sekt des Sektmacher Verbandes lautet daher: Warum erzählen wir deutschen Sekt noch immer so klein?
Vom Industrieprodukt zurück zum echten Kulturgut
Die Geschichte des deutschen Sekts kennt auch Brüche. Mit der Industrialisierung verschob sich der Fokus vieler großer Kellereien auf Masse statt Herkunft. Quantität wurde zeitweise wichtiger als die kulturelle Identität.
Aus diesem Umstand entstand glücklicherweise eine starke Gegenbewegung. Im Jahr 1986 gründete sich der Verband traditioneller Sektmacher – damals noch unter dem Namen „Verband klassischer traditioneller Flaschengärer“. Die Idee dahinter war radikal:
- Zurück zur echten Herkunft
- Zurück zum echten Handwerk
- Zurück zur traditionellen Flaschengärung
Kleine Produzenten begannen, den Sekt völlig neu zu denken. Er wurde nicht länger als Industrieprodukt, sondern als kulturelles Erzeugnis verstanden. Diese Entwicklung prägt die deutsche Sektlandschaft bis heute.

erste Sektbotschafterin für deutschen Sekt: Warum Sekt endlich eine neue Sprache braucht
Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, wie gut der deutsche Sekt ist. Die Frage ist vielmehr: Wie sprechen wir über ihn? Sichtbarkeit entsteht nicht allein durch Qualität, sondern durch Narrative, kulturelle Einordnung und starke Bilder. Vielleicht wurde deutscher Sekt zu lange nur erklärt statt erzählt.
In seiner Laudatio sagte Volker Raumland über meine Arbeit: „Sie hat dem Thema Sekt eine Stimme gegeben.“ Dieser Satz hat mich tief bewegt. Genau darin sehe ich die Aufgabe moderner Genusskommunikation. Wir müssen kulturelle Bedeutung sichtbar machen.
Die neue deutsche Sektkultur
Als Gründerin des Schaumweinmagazins, Sommelière, Moderatorin und Co-Organisatorin der Sparklingb, Schaumweinmesse in Berlin, nun erste Sektbotschafterin für deutschen Sekt des Sektmacher Verbandes bewege ich mich an einer wichtigen Schnittstelle. Ich verbinde Handwerk mit Kommunikation, Herkunft mit Zukunft sowie Expertise mit Sichtbarkeit.
Als erste Sektbotschafterin möchte ich eine neue Phase der deutschen Sektgeschichte einleiten. Eine Phase, in der deutscher Sekt nicht länger nur verglichen, erklärt oder verteidigt wird. Er soll selbstbewusst sichtbar werden – als eigenständige Sprache im Glas.
Deutscher SEkt IM ÜBERBLICK
Weitere Informationen für Sie über Deutscher Sekt:
- Prickelnde deutsche Weinregionen und ihre Winzer stellen sich vor
- Unterschied Deutscher Sekt vs Winzersekt
- Rheinhessen: Die Wiege des Winzersektes
- Traditionelle Flaschengärung
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REDAKTIONELLE EMPFEHLUNGEN ZUM THEMA: Deutscher SEkt mit eigener Sprache
Wer die Entwicklung von deutschem Sekt sensorisch nachvollziehen möchte, sollte insbesondere folgende Empfehlungen vergleichen: Winzersekte, die alle ein Zeichen für Neues, Finesse aber auch Empathie für höchste Qualität zeigen:
- Reinecker, Crémant Baden Brut NV (15,90 Euro*)
- Der Einstiegssekt, des mittlerweile im VDP aufgenommenen Sektguts Reinecker, punktet in jeder Hinsicht – fast schon ein wenig mit französischem Flair im Glas – ist Frankreich, Crémant ja fast vis-a-vis! Eleganter Sekt, dicht, schöne Hefe-Fruchtaromatik, die an Apfeltartletts erinnert. Sehr gut für Feierlichkeite mit Essensbegleitung.
- Heinz Wagner, Rosé Brut Nature 2023, Baden (24,50 Euro*)
- Schillerndes Lachsrosé im Glas – Was in luftiger Höhe in dieser Sektkellerei passiert, ist schon sensationell. Die Entwicklung qualitativ beeindruckend. Klarer Fokus auf Spätburgunder, Chardonnay – kein Schnickschnack und gar nicht im Glas. Herber Charme, Hagebutte versprühten Frische, Zitrisch und der braucht Luft: im Glas entwickeln lassen – mehr wird nicht verraten.
- Bamberger, Decade Brut Nature 2010, Nahe (79,- Euro*)
- Riesling Sekt, aber so, wie Sie ihn noch nicht erlebt haben. Richtig gelesen: 2010 ist der Jahrgang – mehr verrate ich nicht. Einen schönen Platz suchen, ein großes Glas (Burgunder- oder Chardonnayglas) nehmen, einschenken und der Entwicklung des Sektes im Glas lauschen und verkosten.
(Hinweis auf Werbung: Links mit einem * sind Kooperationen mit dem Schaumwein-onlineshop.de)
Credit:
Fotos Sektbörse 2026 Mainz: Terroir Cru & Raumland

Schaumweinmagazin Redaktion
Nicole Wolbers DipWSET hat sich auf internationale Schaumweinmärkte, insbesondere Sekt, Cava, Crémant sowie Champagner konzentriert. Ihr Fokus liegt auf Verkostungen, Marktanalysen und Produzentenberichte – sowie Tipps und Informationen zum Thema Schaumwein.




