Spanish Pantry Festival: Warum nachhaltiger Weinbau in Spanien weit mehr ist als Bio! Spanien verbindet man schnell mit Sonne, Tapas und Wein. Wer jedoch genauer hinschaut, merkt schnell, dass sich hinter dieser Vielfalt gerade eine der spannendsten Entwicklungen der europäischen Weinwelt verbirgt.
Beim Spanish Pantry Festival in Berlin hatte ich die Gelegenheit, genau darüber mit Sommeliers, Gastronomen, Händlern und weiteren Fachbesuchern zu sprechen. Im Mittelpunkt meiner Masterclass stand nicht die Frage, ob Spanien nachhaltig arbeitet, sondern warum sich der Weinbau dort in den vergangenen Jahren so grundlegend verändert hat. Das Land besitzt nicht nur eine bemerkenswerte Vielfalt an Stillweinen. Auch die Welt der spanischen Schaumweine entwickelt sich rasant – von Cava bis Corpinnat.
Warum Spanien beim nachhaltiger Weinbau eine besondere Rolle spielt
Der Klimawandel ist für spanische Winzer längst keine Zukunftsprognose mehr. Steigende Temperaturen, lange Trockenperioden und immer frühere Lesetermine gehören in vielen Regionen inzwischen zum Alltag. Wer heute Wein anbaut, muss reagieren – und genau darin liegt die besondere Dynamik des Landes.

Klimawandel ist in Spaniens Weinbergen längst Realität
Viele Maßnahmen, die heute unter dem Begriff Nachhaltigkeit zusammengefasst werden, sind in Spanien deshalb keine Marketingidee, sondern eine praktische Notwendigkeit. Alte Buschreben mit ihren tiefen Wurzeln, Trockenbewirtschaftung, ein bewussteres Wassermanagement oder die Rückbesinnung auf autochthone Rebsorten sind Antworten auf reale Herausforderungen im Weinberg.
Wenn der Weinberg zum Ökosystem wird
Dabei fällt auf, wie unterschiedlich die einzelnen Regionen ihren eigenen Weg finden. Während Weingüter in Katalonien zunehmend auf Biodiversität, Agroforstsysteme oder biodynamischen Weinbau setzen, investieren andere Betriebe in moderne Sensorik, Drohnentechnik und intelligente Bewässerungssysteme. Nachhaltigkeit bedeutet hier nicht, einem festen Konzept zu folgen. Sie entwickelt sich aus den jeweiligen klimatischen Bedingungen und dem Terroir.
Was die Weinauswahl beim Spanish Pantry Festival zeigte
Besonders spannend war deshalb die anschließende Verkostung von 23 Weinen aus ganz Spanien. Die Auswahl führte von Corpinnat und Cava über Rías Baixas, Priorat, Rioja und Ribera del Duero bis nach Andalusien. Jeder Wein erzählte dabei ein Stück seiner Herkunft – und gleichzeitig davon, wie unterschiedlich Nachhaltigkeit heute interpretiert werden kann. Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Penedès, wo sich mit Cava und Coprinnat unterschiedliche Konzepte für Herkunft, Qualität und Nachhaltigkeit gegenüberstehen.

Gerade die Schaumweine machten deutlich, wie stark Frische und Präzision inzwischen im Mittelpunkt stehen. Die Weißweine zeigten den Einfluss von Atlantik, Höhenlagen oder mediterranen Bergregionen. Orange Wine, Pet Nat und Naturweine standen für neue Ideen, während Sherry und gereifte Spezialitäten eindrucksvoll bewiesen, dass jahrhundertealte Traditionen auch heute noch Antworten auf aktuelle Fragen liefern können.
Für mich war die Masterclass einmal mehr eine Erinnerung daran, dass Nachhaltigkeit nicht bei einer Bio-Zertifizierung endet. Sie beginnt mit der Art, wie ein Weinberg verstanden wird. Nicht als Produktionsfläche, sondern als lebendiges Ökosystem. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis des Abends.
Spanien als Labor für die Zukunft des Weinbaus
Spanischer Bio-Wein lässt sich nicht auf einen Stil oder eine Region reduzieren. Zwischen Atlantik und Mittelmeer, Hochlagen und trockenen Ebenen entstehen sehr unterschiedliche Antworten auf den Klimawandel. Manche Weingüter setzen auf alte Reben und traditionelle Trockenbewirtschaftung, andere auf Sensoren, präzises Wassermanagement oder Agroforstsysteme.
Gerade diese Mischung aus Erfahrung und Erfindergeist macht Spanien heute so relevant. Das Land produziert nicht nur große Mengen ökologischen Weins. Es zeigt auch, wie vielfältig nachhaltiger Weinbau gedacht werden kann.

Spanien gehört heute nicht nur zu den größten Weinländern der Welt. Es entwickelt sich zunehmend zu einem der spannendsten Regionen für die Zukunft des europäischen Weinbaus. Und viele der Ideen, die dort entstehen, werden wir in den kommenden Jahren sicherlich auch in anderen Weinregionen wiederfinden.
Wie unterschiedlich nachhaltiger Weinbau in Spanien aussehen kann, zeigte auch die Verkostung beim Spanish Pantry Festival: von biodynamischem Corpinnat über atlantisch geprägte Weißweine bis zu charaktervollen Rotweinen und traditionellen Spezialitäten. Weitere Hintergründe zu Cava, Corpinnat und den wichtigsten spanischen Schaumweinregionen finden Sie im Spanien-Schwerpunkt des Schaumweinmagazins.
Spanien´s Schaumweinwelt entdecken:
- Corpinnat – eine prickelnde Marke!
- Freixenet verlässt Cava DO – ein Aufruhr!
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Schaumweinmagazin Redaktion:
Nicole Wolbers ist DipWSET, zertifizierte Cava Educatorin und Gründerin des Schaumweinmagazins. Als Autorin, Referentin und Moderatorin beschäftigt sie sich mit Schaumwein, Weinregionen und der Frage, wie sich Herkunft, Kultur und Nachhaltigkeit im Wein verbinden.
Credit: Fotos Nicole Wolbers / Spanish Pantry Festival Moderation Nicole Wolbers – Credit: Bar Raval
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