VDP.SEKT.STATUT

21. Mai 2022 | Prickelndes Wissen, Sektmacher

VDP.SEKT.STATUT in Mainz präsentiert! Anlässlich der Mainzer Weinbörse des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) wurden nach einjähriger Verspätung die neuen Statuten vorgestellt – ein Verband legt vor!

Das Schaumweinmagazin hat schon in vergangenen Artikeln über die Neuregelung von Sekt innerhalb des VDP’s berichtet. Leider musste aufgrund von Corona die finale Vorstellung ein Jahr später stattfinden. Am 24. April dieses Jahres war es so weit. Die Mainzer Weinbörse öffnete ihre Pforten und viele Weinfachleute kamen. Die Gelegenheit, endlich wieder die neuen Jahrgänge und GGs, aber auch die mit Spannung erwartete Sekt Klassifikation zu verkosten, wollten sich wenige entgehen lassen.

VDP.SEKT & VDP.SEKT.PRESTIGE stellen sich vor

Den Einstieg in die Thematik bereitete Caro Maurer (Master of Wine) mit einer kompakten Masterclass, die von der Geschichte des deutschen Sektes bis hin zur Ideenentwicklung innerhalb des Verbandes reichte. Daneben wurde in einer sehr guten Sektauswahl die Qualität der Sekte demonstriert. Bedauerlicherweise war die Zeit sehr knapp bemessen, sodass im Anschluss kein Austausch möglich war. Es wäre z. B. interessant gewesen zu erfahren, welchen Eindruck die Schäumer bei den internationalen Teilnehmern gemacht hat. 

In der Tat ist der Sekt traditioneller Flaschengärung mit Qualität recht jung, so beginnt die Historie in den 1980 iger Jahren beginnt. Die Geschichte des VDP.SEKTes mit dem Statutgedanken formiert sich 2015 mit Gründung einer Taskforce, die sich mit dem Thema auseinandersetzen soll, um Leitlinien zu erarbeiten. Es wunder wenig und ist nachvollziehbar, dass man sich auch externe Experten auf diesem Gebiet mit ins Boot nimmt. Wie keine zweiten sind Mathieu Kauffmann und Volker Raumland die prägenden und gestaltenden Personen im aktuellen deutschen Sektbusiness. 

VDP Mainz Weinbörse Sekt

VDP.SEKT.STATUT Verkostungszone – wenig Glamour

Die Weinbörse als perfekt organisierte Veranstaltung mit dem Fokus Stillweine bot zum einen die Möglichkeit Prickler am Weingutsstand selbst sowie in einer separaten Verkostungszone Schaumweine gemäß der neuen Klassifikation zu verkosten. Also, eine hervorragende Idee, 22 weitere Sekte in einem separaten Bereich hervorzuheben. Leider war der Bereich etwas ungünstig gelegen und hätte “glamouröser” gestaltet sein können. Ein stimmungsvolles Banner mit den neuen Statuten hätte den Besucher empfangen können. Nicht jeder Verkoster hatte vorab die Masterclass besucht, da sie ausgebucht waren. Es fehlte während meiner Verkostungsrunde leider der Ansprechpartner für Fachfragen. So präsentierten sich manche Schäumer nicht auf den Punkt (Sektstopper oder Verkostungsmuster fehlte). Hervorzuheben ist, dass ein “korkiger Sekt” durch das Servicepersonal sofort ausgetauscht wurde. 

Mir persönlich fehlten noch Herstellungsinformationen zu jedem einzelnen Sekt auf der ausgelegten Verkostungsliste. Hier hätte der Verband meiner Meinung der Präsentation noch etwas mehr Hochwertigkeit beimessen können, um denselben Eindruck zu hinterlassen wie für die übrige hervorragende Veranstaltung. Während die VDP.SEKTe mit einer Vielfältigkeit auch qualitativ aufwarteten, zeigten sich die VDP.SEKT.PRESTIGE bereits jetzt mit der zu erwartenden Komplexität, Harmonie, Balance und Dichtheit. 

VDP Mainz Weinbörse

Der Weg zum Statut 

Wie Caro Maurer MW ausführte, war dieses Pamphlet ein Diskurs mit vielen Diskussionen über Qualitätstandards, Produktionsmethoden im Gesamten und welche Süssegrade erlaubt werden sollen. Auch die Frage, ob Cuvées oder reinsortige Rebsortensekte in den besten Pricklern eine Rolle spielen soll, war offen. Ebenso der Punkt, ob die erfolgreiche Stillwein VDP Klassifikation auf den Sekt übertragen werden sollte, die sich am burgundischem Vorbild auf das Terroir fokussiert. Nicht unwichtig auch die Frage, wie sollte man den Wein nennen? 

Entscheidungen mit Kompromissen

Zu begrüssen ist, das das VDP Stillweinkonzept nicht eins zu eins umgesetzt worden ist. Denn nicht jede für Stillwein geeignete Große oder Erste Lage (mit perfekter Reifung) ist auch für die Herstellung von Sektgrundwein geeignet. Sekttrauben müssen andere Anforderungen erfüllen, und dies bei der Weinbergsarbeit an. So macht es Sinn, wenn nach dem “VDP.SEKT.STATUT nur aus dafür geeigneten, gutseigenen Weinbergen gelesen werden darf. Diese werden vom Anschnitt bis hin zur – für Schaumwein traditionell frühen – Lese entsprechend gepflegt und grundsätzlich von Hand gelesen”.* Ein Kompromiss in Bezug auf die Individualität der VDP Verbände können diese die Rebsorten für VDP.SEKT und VDP.SEKT.PRESTIGE® individuell festgelegt werden. So sind bei letzterer Kategorie, die hauptsächlich aus Riesling und den Burgundersorten produziert wird, in der Ahr auch Pinot Madeleine und in Franken Silvaner zugelassen.

Generell, begrüße ich das beim VDP.SEKT regionen-typische Rebsorten wie Scheurebe zu finden sind, die gerade eine deutsche Spezialität darstellen. Maximal 12 g/l Restzucker sind im VDP.SEKT.PRESTIGE erlaubt. Während beim VDP.SEKT der Vorliebe deutscher Konsumenten für trockene Sekte nachgegeben wird. So reicht das Spektrum von Brut Nature bis z. B.  an Mosel und Nahe zu Trocken. 

Für die Regionen Saale-Unstrut und Sachsen müssen die Regelungen noch festgeschrieben werden.

Bestimmung der Qualitäten

Hier orientiert sich der Verband stark an den französischen Qualitätsstandards von Champagner, auch die Ernte- und Reifevorgaben ähneln ihnen. So sind für den VDP.SEKT 15 Monate als Minimum auf der Hefe vorgeschrieben (Jahrgangssekt 24 Monate), während der PRESTIGE (auch als Jahrgang) 36 Monate in Kontakt sein muss. Leider werden im Gegensatz zu vielen anderen Topschaumweinregionen zugekaufte, hochwertige Trauben nicht zugelassen. Dies ist vielleicht ein Punkt, der es manchen Sekthäusern erschwert, in Zukunft Teil des VDP´s zu werden, aber auch VDP Weingüter, die bereits Topsekte produzieren, dürfen diese nicht unter dem Zeichen des Adlers anbieten. 

VDP Sekt Statut

Sensorisch geprüft werden die VDP.SEKTe durch die regionale Weinkommission, die ein zusätzliches Training durch den VDP erhalten haben. Allerdings werden die PRESTIGE Schäumer durch ein eigenes nationales Verkosterteam bewertet. Es stellt sich die Frage, ob durch unterschiedliche Testergruppen nicht unbewusst unterschiedlich Bewertungen stattfinden. Dabei ist gerade die VDP.SEKT Linie die Visitenkarte und wird der meistverkaufte Sekt eines Weingutes sein. Bedauerlicherweise bliebt die Frage unbeantwortet, wie es sich mit den Schaumweinen verhält, die nicht unter das Signet fallen. Dies sind z. B. Schäumer aus zugekauften Trauben oder nicht zugelassenen Rebsorten. Es wurde klar vermittelt, dass sich der Verband bewusst gegen ein dreistufiges Qualitätskonzept entschieden hat. 

Auf den Weg gebracht

Der Verband hat vorgelegt, die Umstellung innerhalb der Mitgliedsbetriebe ist überwiegend auf ihrem Weg. Der Problematik des Begriffs Sekt, der meist mit einem billigen Image verbunden wird, stellt sich die Organisation. Veränderungen, wenn auch langsam, sind immer möglich. Der Name Sekt ist etabliert, sehr bekannt und stand bis vor dem Zweiten Weltkrieg für TopSekte nach Traditioneller Flaschengärung. Warum diese Historie aufgeben? 

Letztendlich ist es ein Start in die Zukunft und gleichzeitig eine große Herausforderung für den VDP nach dem erfolgreichen Konzept für Stillweine auch die Prickler auf dieses Niveau zu heben. Auch ist es kein leichtes Unterfangen, alle Mitglieder mit ins Boot zu nehmen. Doch das Siegel verbürgt sich für Qualität und ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung, dass die Messlatte der besten internationalen Schaumweine hoch hängt, der Markt hart umkämpft ist und keine strategischen Fehlpositionierungen schnell verzeiht. So bleibt es spannend, die weitere Entwicklung zu verfolgen und in fünf Jahren zu erleben, wie sich der Sekt gemäß dem VDP.SEKT.STATUT der Mitglieder im Glas präsentiert.


Credit

VDP.SEKT.STATUT – VDP Presse/ ©VDP by Peter Bender

* Auszug aus dem VDP.SEKT.STATUT

Der Text wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet. Er spiegelt alleine meine Meinung wider.


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