Weingut Riffel – UNSERE SUCHE NACH DEM BESTEN WEIN!

5. Mai 2022 | Sektmacher

Weingut Riffel – Unsere Suche nach dem besten Wein! In 2022 stelle ich Ihnen immer wieder Sektmacher im Rahmen von Interviews vor. Der heutige Artikel führt uns zum Weingut Riffel aus Bingen in Rheinhessen, welches Mut zu einem großen Schritt bewiesen hat.

Seit 2005 führen Carolin und Erik gemeinsam das elterliche Weingut Riffel. Nach Winzerlehre und Ausbildung zum Weinbautechniker folgend, bewirtschaftet Erik zunächst den Betrieb mit den damals üblichen konventionellen Methoden weiter. Schon immer auf Qualität bedacht, überzeugten die Weine und wurden regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet. Trotzdem wunderte sich das Paar, warum die prämierten Weine schon nach ein paar Jahren sensorisch nicht mehr so richtig auf den Punkt waren. Was konnte der Grund dafür sein? In einem Interview frage ich Erik Riffel, wie sich die Suche auf die Weine und das Weingut ausgewirkt hat. Welche Veränderungen brachte dies mit sich? Wurde das Ziel erreicht und warum hat Bio-dynamische Bewirtschaftung etwas damit zu tun.


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AUF DER SUCHE NACH DEM BESTEN WEIN SEID IHR UNTER ANDEREM AUF BIO-DYNAMISCHES BEWIRTSCHAFTEN GESTOSSEN? WIE HÄNGT DIES ZUSAMMEN

Erik Riffel: Wir haben uns gewundert, dass die Weine, obwohl hochwertig, doch nach längerer Zeit ihre Überzeugung im Glas verloren. Denn eigentlich sollten die oft prämierten Weine noch nach Jahren Ausdruck haben. So fing die Suche nach dem “besten Wein” an. In der Folge diskutierten wir viel mit Kollegen und befragten Weingüter, deren Weine uns (Anmerkung: Carolin und Erik Riffel) geschmacklich gefielen.

Dabei stellte sich heraus, dass diese meist nach ökologischen Ansätzen hergestellt sind. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich, gab es doch über alternative Weinbergpflege kaum Informationsmaterial, und viele Winzer verließen sich eher auf die althergebrachten Methoden. Uns wurde immer klarer, dass biologisches Wirtschaften, der schonende Umgang mit der Umwelt, scheinbar ein wesentlicher Aspekt für den Ausdruck der von uns favorisierten Weine ist.

2009 HABT IHR DANN DEN GROSSEN SCHRITT GETAN. WIE WAR EUER AUFBRUCH IN DIE ÖKOLOGISCHE BEWIRTSCHAFTUNG

Erik Riffel: Ehrlicherweise haben wir den Aufwand und evtl. Risiken eindeutig unterschätzt. Für diese Form der ökologischen Weinbergpflege brachte man damals wenig Interesse entgegen. Das Ziel waren vor allen Dingen zuverlässige und hohe Erträge. Wie sollte man sich da auf einmal auf die Natur verlassen können? Dementsprechend gab es kaum Nachschlagewerke oder nur eine Handvoll Vorbildweingüter, mit denen wir uns austauschen konnten. 

Besonders schwierig waren die ersten 3-4 Jahre. Von heute auf morgen erhielten die Weinberge nicht mehr die konventionelle Behandlung mit hoch dosierten Nährmitteln. Sie standen nun mehr oder weniger alleine dar. Die Reben mussten sich selbst versorgen. Aber da sie das nie gelernt hatten, kam die Ernüchterung sehr schnell. (Anmerkung: Seit 2012 arbeitet das Weingut Riffel komplett Bio-dynamisch und ist mittlerweile sowohl ECOVIN und Vegan zertifiziert.)


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WIE ZEIGTE SICH DIES IM WEINBERG BZW. WIE ERGING ES DEN REBSTÖCKEN IN DIESER ZEIT?

Erik Riffel: Die Reben fühlten sich vernachlässigt und sind in dieser Anfangszeit kaum gewachsen. Auch wir im Weinberg mussten lernen, dass weniger Schneiden und damit weniger Wachstumsschübe der richtige Weg ist. Als Lianengewächs versucht die Pflanze nämlich, den Rückschnitt mit neuen Trieben auszugleichen. Man kennt es aus dem eigenen Garten. Das Zurückschneiden fördert den Wuchs der Pflanze, und je öfter ich dies mache, desto mehr Triebe entstehen. Aber im Weinberg wollen wir die Kraft ja in den gesunden Trauben. Das neue System griff erst im vierten Jahr der Umstellung und von da an standen die Reben wieder im vollen Saft. Ein Lernprozess – sowohl für die Weinberge als auch für uns als Weingut. Anstatt Monokultur zeigt sich nun eine grüne Vielfalt zwischen den Rebzeilen und die Weinreben liefern gesunde Trauben.

WIE MUSS MAN SICH DIES GENAUER VORSTELLEN? ANSTATT MONOKULTUR HERRSCHT JETZT IM WEINBERG DIVERSITÄT?

Erik Riffel: Ziel des ökologischen Weinbaus ist es, die Monokultur durch Pflanzenvielfalt aufzubrechen. Das heißt unter anderem begrünen, Pflanzenhorizonte schaffen und Diversität zu erhalten. So werden Gewächse wie die Luzerne (Anmerkung: eine Staudenart) gepflanzt, die tief in der Erde wurzeln. Daneben sähen wir Kräuter als Oberflächenwurzler, die dem Boden als Erosionsschutz oder als Stickstofflieferant dienen. Mittlerweile gibt es sogar spezielle Einsaat-Mischungen, die bis zu 60 verschiedene Pflänzchen enthalten.

Dabei kommt jedem Einzelnen eine individuelle Aufgabe zu wie Bodenaufbau, Humusbildung oder Bienen- und Insektenförderung. Je mehr biologische Aktivität im Boden, desto gesünder die Erde. Außerdem sind vielfältige Pflanzen sowie Kräuter im Weinberg eine Nahrungsquelle für die Insektenwelt, es summt und brummt zwischen den Reben. Auch Regenwurm oder Mikroorganismen verbessern den Boden und damit die Wasser- und Nährstoffversorgung. Und davon profitieren letztendlich alle: die Natur, der Wein, natürlich der Mensch.


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WIE VERHÄLT ES SICH MIT DEN JAHRGANGSSCHWANKUNGEN IN PUNKTO ERTRÄGEN? 

Erik Riffel: Gerade, das Jahr 2021 zeigte, wie gut der Weinberg auf das zum Teil schwierige Jahr mit viel Regen und Pilzdruck reagierte. Bei starkem Regen wird der Boden in unserem Weinberg weniger ausgewaschen und die Nährstoffe bleiben erhalten, sodass die Pflanze diese bei Bedarf zu sich nimmt. Mittlerweile verfügen wir über genügend Erfahrung und wissen, welche Stellschrauben wir drehen können. Je gesünder der Boden, desto widerstandsfähiger und lebendiger die Reben und damit auch der Wein. Interessant ist, dass wir im letzten Jahr verhältnismäßig wenig im Weinberg unterwegs waren, um Mittel auf Schwefel- oder Kupferbasis zum Schutz gegen den Pilz auszubringen. Dabei hielt sich die Laubpflege in Grenzen. Aber das wichtigste, die Trauben waren letztendlich nicht verwässert, sondern zeigten eine gewohnt gute Qualität. Hatten wir vor der Umstellung schwankende Weinerträge von 4000 l – 15000 l pro Hektar gehabt, so zeigen sie sich jetzt sehr harmonisch. Mittlerweile hat sich die Menge bei ca. 5500 l – 6500 l eingependelt, so auch im Jahr 2021.

NUN ZUR LETZTEN, WICHTIGEN FRAGE. SEID IHR FÜNDIG GEWORDEN AUF DER SUCHE NACH DEM BESTEN WEIN? KANN MAN DIESE VERÄNDERUNG IN EUREN WEINEN SCHMECKEN?

Erik Riffel: Sensorisch sind die Unterschiede groß. Der Wein zeigt jetzt mehr Intensität, Länge, Charakter sowie Stoffigkeit. Genau diesen ausbalancierten, langlebigen Wein mit feiner Dichte haben wir gesucht. Die noch mit Reife überzeugen und Freude bereiten. Aber es hat schon eine Weile gedauert, bis der Wein so schmeckt, wie er heute ins Glas kommt. All diese Erfahrungen haben uns in dem Ziel bestärkt, sich einfach nichts Schlechtes in den Keller zu holen. Auf keinen Fall Reparaturmaßnahmen machen zu müssen. Nur wenn die Weinbergqualität stimmt, können die Weine so beständig sein, ohne an Ausdruck und Sensorik zu verlieren. Wir sind auf der Suche nach unserem besten Wein unbewusst zur Bio-dynamischen Bewirtschaftung gekommen und das Ergebnis lohnt die Mehrarbeit. Wir sind fündig geworden. Und glauben daran, dass eine umfassende Balance zwischen Universum, Natur, Wein und Mensch unsere Weine und Sekte vibrierender, langlebiger und ausdrucksstärker macht!


Carolin und Erik Rikkel © Weingut Riffel

Tipp: Wer die Unterschiede in puncto Weinbergpflege selbst erleben möchte, dem sei ein Besuch des Versuchsweinbergs der Hochschule Geisenheim empfohlen. Er zeigt konventionellen, biologischen und Bio-dynamischen Anbau im direkten Vergleich nebeneinander.

Wer mehr über die Weine des Weingutes Riffel erfahren möchte, der kann gerne in der Schaumweinsuche stöbern. In einem der nächsten Artikel gehe ich auf die Thematik ein, ob man Terroir wirklich im Sekt schmecken kann und inwieweit Riesling sich als eine vielseitige Sektrebsorte zeigt.


Credits:

Dieser Text wurde nicht in Auftrag gegeben oder vergütet, sondern spiegelt alleine die persönliche Meinung von Erik Riffel wieder! Ausserdem erhebt er keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführende Links dienen alleine der weiteren Information, mit einem *markierte Links sind Partner-/Affiliatelinks.

Titelfoto: Erik Riffel – Robert Dieth, Weitere Fotos: Luftaufnahme Scharlachberg, Weingut Riffel – Nils Weiler; Biodynamische Mittel, Biodiversität im Weinberg, Carolin und Erik Riffel – Weingut Riffel


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