Sektland Sachsen #sekttourdeutschland

16. Juni 2023 | Deutsch, Prickelndes Wissen

Das Sektland Sachsen ist eine einzigartige Region für Weinbau und Sektproduktion. Es verbindet eine lange Tradition, bereits im 19. Jahrhundert erkannte man das Potenzial für die Schaumweinherstellung und somit besaß Sachsen die zweitälteste Sektkellerei Deutschlands. Ein Blick in die Geschichte und die Zukunft dieser faszinierenden Weinlandschaft. 

Die Weinregion und Sektland Sachsen liegt im Osten Deutschlands und erstreckt sich entlang der Elbe, südöstlich von Dresden. Sie ist die östlichste und mit 511 Hektar (2019) eine der kleinsten Weinregionen Deutschlands. Trotz ihrer geringen Größe hat sie eine lange Tradition im Weinbau und ist für ihre hochwertigen Weine und Sekte bekannt. Bereits seit dem Jahre 1161 wird Weinbau betrieben, wobei in der Hochzeit im 17. Jahrhundert bis zu 5000 ha Fläche bewirtschaftet wurden. 

Schloss Proschwitz – Credit: Tommy Halfter (DML-BY) – Dresden Media Lizenz

Heute noch zeugen prunkvolle Orte, Schlösser sowie Weinbergskirchen von dieser glorreichen Zeit. Im Dresden Elbland gilt Meißen, die sogenannte Porzellanstadt als die Wiege des sächsischen Weinbaus, wobei das Schloss Proschwitz das älteste sächsische private Weingut ist. Daneben die Städte Radebeul und Diesbar-Seußlitz für ihren Weinbau bekannt. So ist in Radebeul das berühmte Schloss Wackerbarth ansässig, während Diesbar-Seußlitz für seine steilen Weinberge und hervorragenden Riesling bekannt ist.

Terroir, Reben und Elbe

Das Klima in Sachsen ist durch kühle Temperaturen und eine lange Vegetationsperiode geprägt und entspricht einem gemäßigten Kontinentalklima. So sind die Sommer sonnig und warm, mit unter trocken und die Winter kalt. Diese Kombination ermöglicht den Anbau von hochwertigen Trauben mit einer optimalen Reife und Säurestruktur. Die Weinberge erstrecken sich entlang des Elbtals, welches Schutz vor nördlichen Winden bietet und profitieren von den warmen Sonnenstrahlen, die von den umliegenden Hügeln reflektiert werden. Dadurch entsteht ein einzigartiges Mikroklima, das die Trauben vor Frost schützt und ihnen eine langsame und gleichmäßige Reifung ermöglicht. Dazu kommen 1600 Sonnenstunden, die den Wein auf 17 Einzellagen im Dresden Elbland.

Karte des Deutschen Weininstitutes – Weinanbaugebiet Sachsen

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Weinbau in Sachsen sind die Böden. Die Weinberge sind geprägt von Schiefer-, Granit- und Sandsteinböden. Diese Böden bieten gute Drainage Eigenschaften und ermöglichen eine gute Wasserversorgung der Reben. Als Wärmespeicher tragen sie zur optimalen Reifung der Trauben bei. Neben dem Anbau von erstklassigen Weinen hat sich Sachsen auch einen Namen in der Sektproduktion gemacht, insbesondere dank der renommierten Sektkellerei Bussard und dem Weingut Schloss Wackerbarth.

Diese Flächen werden von rund 1.900 Winzer bewirtschaftet, der Großteil davon – nämlich 96 % – sind Kleinwinzer. Auf 82 % der Flächen werden weiße Rebsorten angebaut und auf 18 % rote Rebsorten. Insgesamt sind 67 Rebsorten erlaubt, aber die größten Anteile haben: 

  • Müller-Thurgau
  • Riesling 
  • Weißburgunder
  • Goldriesling
  • Spätburgunder
  • Dornfelder
Wandern im Weinberg – Credit: Yvonne Seidemann, Dresden Media Lizenz

Kein Wunder, dass die lokalen Weine eine immense Vielfalt bereithalten. Die typischen, mit Bruchsteinmauern terrassierten Steillagen sind ein besonderes Kleinod des Weinbaus in Sachsen, denn an den steilen Elbhängen gedeihen die Reben am besten. Um das Weingebiet so richtig zu erleben, ist der 90 Kilometer lange sächsische Weinwanderweg ein Highlight, führt er zu den schönsten Weinbergen, zu Aussichtspunkten und Weinkellern.

Sächsische Besonderheit – Goldriesling

Goldriesling, eine Kreuzung aus Riesling und einer noch nicht bekannten Sorte, ist eine der ältesten Neuzüchtungen. Er treibt früh aus, was ihn empfindlich für Frühjahrsfröste macht, reift aber rechtzeitig, um nassem und kaltem Herbstwetter zu entkommen. Er weist ähnliche Charakteristiken wie der Riesling auf und ist außerdem für Botrytis cinerea empfänglich, sodass sich auch interessante edelsüße Weine ergeben können. Mit 17 Hektar ist er im Weinbaugebiet Sachsen gut vertreten, wo unter anderem Erzeuger wie Schloss Proschwitz, Weingut Drei Herren sowie Weinkellerei Tim Strasser spannende Weine daraus erzeugen. Bislang wird aus der Rebsorte noch kein Sekt hergestellt – aber vielleicht ändert sich dies?

Sektland Sachsen – Prickelnde Geschichte

Die Anfänge des sächsischen Schaumweins liegen im Jahre 1836 inmitten der Radebeuler Weinberge als drei Weingutsbesitzer, u. a. Carl August Bussard, die erste Manufaktur für moussierende Weine in Sachsen gründeten, die spätere Sektkellerei Bussard. Übrigens die zweitälteste Deutschlands nach der Sektkellerei Kessler in Esslingen! Interessanterweise verschlug es den  Kellermeister war Monsieur Joseph Mouzon aus Reims, Champagne nach Radebeul. Er brachte das Know-how der klassischen Flaschengärung mit sich und so entwickelte sich aufgrund seines Könnens die Sektkellerei schnell zu einem der Big Player der Region. Die sächsischen Könige liebten den Schaumwein und wurde am Hofe serviert. Nach anfänglich 37.700 Flaschen wurde im Jahr 1846 eine Höchstleistung von 150.000 Flaschen erreicht.

Sektland Sachsen - Schloss Wackerbarth
Schloss Wackerbarth – Credit: Tommy Halfter, – Dresden Media Lizenz

Im Laufe der Jahre gewann die Sektkellerei Bussard an Anerkennungen für ihre Sekte. Sie belieferte sowohl den sächsischen Adel als auch das Bürgertum und wurde zu einer festen Größe in der sächsischen Sektlandschaft. Während der DDR Zeit wurde in den 1970er Jahren ins Radebeuler Volksweingut VEG(Z) Weinbau Radebeul integriert. Anfang der 1980 stellte man die aufwändigere traditionelle Flaschengärung komplett ein und 2002 bekam die Sektkellerei Bussard Teil des renommierten Weinguts Schloss Wackerbarth. Unter dem Dach von Schloss Wackerbarth wird die Tradition und das Know-how von Bussard weitergeführt und weiterentwickelt. Aktuell bietet das Weingut eine Rarität, den BUSSARD ROYAL MONSIEUR MOUZON EXTRA TROCKEN (45 Euro) aus Weißburgunder, Kerner und Spätburgunder an, der mit einer Dosage von Auslese und Eiswein abgestimmt wird. Heute wird das Produktionsgebäude als Wohnanlage genutzt und steht unter Denkmalschutz. 

Sektland Sachsen erleben

Klein, aber fein, könnte man sagen. Um die Weinbergidylle am besten zu erleben, eignet sich der Sächsische Weinwanderweg hervorragend. Auf 90 Kilometer Länge kann man Kultur und Genuss hautnah erleben. Die Steillagen biete Ihnen herrliche Ein- und Ausblicke auf das Elbtal. Begeben Sie sich auf Entdeckungsreise und besuchen Traditionsweingüter ebenso wie junge Gasthäuser, die die alte Tradition Sektherstellung nach der traditionellen Methode herzustellen, wieder auf erleben lassen. 

Sektland Sachsen - Strehlaer Nixe
Strehlaer Nixe – Credit: Tommy Halfter, Dresdner Media Lizenz

Weingüter, die einen Besuch lohnen:


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CREDIT:

Dieser Artikel wurde weder in Auftrag gegeben noch vergütet und spiegelt alleine die Meinung des Weingutes wider. Weiterführende Links dienen der Wissensvermittlung. Wollen Sie gerne regelmäßig auf dem Laufenden bleiben, dann abonnieren Sie gerne den Newsletter des schaumweinmagazins.

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