Sektmacher Sektmärchen: Deutsche Perlen der Revolution! Es gab eine Zeit, in der das Wort „Sekt“ in Deutschland eher Assoziationen an Parties und industrielle Massenware weckte als an luxuriösen Genuss. Über Jahrzehnte hinweg thronte die Champagne einsam an der Spitze, während der deutsche Schaumwein in Stahltanks der Bedeutungslosigkeit entgegenreifte. Doch in den Weinbergen der Republik vollzieht sich eine stetige, sprudelnde Rebellion. An der Galionsfiguren dieser Bewegung: der Verband Traditioneller Sektmacher (VTS).
Sektmacher SektMärchen: Vom Schattenwurf zur Sekt-Elite
Die Geschichte des Verbands, 1986 noch unter dem sperrigen Namen „Verband der traditionellen klassischen Flaschengärer“ gegründet, liest sich wie ein klassischer Aufstiegsroman. Es war eine Reaktion auf das ramponierte Image des deutschen Sekts. Die Pioniere setzten auf das, was die Industrie mied: Handlese, sorgfältige Weinbergpflege und die zeitintensive klassische Flaschengärung.
Der Wandel ist im Gange: Mit Volker Raumland als Präsident und bekanntem Sektmacher Deutschlands wurden 2018 die Weichen für eine grundlegende Veränderung der Organisation gestellt. Mit der Vision, den Sektbegriff neu zu definieren – Sekt ist deutsche Herkunft und traditionelle Flaschengärung. Im Vorstand saßen damals weitere Sektpioniere wie Ingo Simon (Sekt- und Weingut Simon, Lösnich), Niko Brandner (Sekthaus Streit, Bensheim), Christoph Graf (Sektmanufaktur Schloss VAUX, Eltville am Rhein), Herbert Reinecker (Privatsektkellerei Reinecker, Auggen) und Heinfried Strauch (Strauch Sektmanufaktur, Osthofen), die davon überzeugt waren, dass deutscher Schaumwein mit den besten Kreszenzen der Welt mithalten kann. Doch die wahre Stärke einer Institution zeigt sich erst, wenn sie über ihre Gründungsfiguren hinauswächst.

Sektmacher „Sektmärchen“: Die Entfesselung der Marke
Das Jahr 2019 markierte den Wendepunkt. Mit der Umbenennung in „Verband Traditioneller Sektmacher- (VTS)“ streifte man das technokratische Gewand ab. Es ging fortan nicht mehr nur um die Methode, sondern um das Selbstverständnis: Sekt als Handwerk, Sekt als Luxus. Das neu definierte Pflichtenheft umfasst vielfältige Themen wie Qualitätsdefinition, Mitgliedschaft und Neuaufnahme. Dabei werden die Produktionsstandards konsequent kontrolliert.
Mit der Einführung der „Réserve“-Klasse (mindestens 36 Monate Hefelager) im Jahr 2021 setzte der Verband ein klares Zeichen gegen die Kurzlebigkeit des Massenmarkts. Es handelt sich um eine Prestige-Linie aller Sektmacher, die wohl die strengsten derzeit in Deutschland geltenden Kriterien beinhaltet. Die „Sektmacher Réserve“ ist durch ein eigenes Signet auf der Flasche kenntlich. Die Zahlen geben diesem Kurs recht: Bis 2025 wuchs der Verband auf 44 Mitglieder an, darunter renommierte Neuzugänge wie das Sektgut Motzenbäcker und die Sektkellerei Von Canal.


Ein Verband im Generationswechsel
Die aktuelle Situation des VTS ist von einer gesunden Dynamik geprägt. Während Volker Raumland weiterhin als Präsident fungiert, hat sich das Gesicht des Verbandes verjüngt. Mit Corinna Eppelmann und Heiko Bamberger im Vorstand sowie der neuen Geschäftsleiterin Judith Seibel ab 2026 professionalisiert sich der VTS zusehends.
Besonders bemerkenswert ist die Emanzipation vom „Einzeltäter-Image“ – um es überspitzt zu formulieren. Der VTS ist kein Medium einzelner Weingüter mehr. Junge Winzer wie Johannes Gröhl, Corinna Eppelmann oder Marie Menger-Krug bringen frische Impulse wie die Méthode Rurale ein und betonen die Einzigartigkeit deutscher Sekte z.B. von Spitzenlagen oder Rebsorten wie Meunier oder Riesling.
Diplomatische Kritik: Der Blick über die Grenze
Trotz der euphorischen Berichterstattung in deutschen Fachmedien – die zu Recht von einer „Qualitätsoffensive“ sprechen – bleibt für mich ein kleiner Wermutstropfen: Die internationale Sichtbarkeit.
Während Experten wie Anne Krebiehl MW in internationalen Publikationen wie The Buyer oder Vinous oder Nicole Wolbers DipWSET für Trink oder Glass of Bubbly die besten deutschen Sekte als „Bastion der Qualität“ loben, bleibt die tatsächliche Präsenz auf wichtigen Auslandsmärkten wie Großbritannien noch ausbaufähig.

Hier liegt für mich die diplomatische Herausforderung: Der Fokus auf regionalen Charakter und handwerkliche Nische ist die größte Stärke des VTS, erschwert aber gleichzeitig den globalen Durchbruch gegenüber der Marketing-Maschinerie der Champagne. Aber die ersten richtigen Schritte sind getan, um den Sekt auch international als „Must-have“ zu etablieren. Die größere, sehr gut sichtbare Präsenz auf der ProWein mit neuen Ideen wie der Sektbar und der Sektbörse in Mainz, die an das internationale Publikum der VDP.Weinbörse andocken, ist ein guter Schachzug.
Sektmacher SektMärchen: Die Renaissance des Sprudelns
Dem Verband Traditioneller Sektmacher ist es gelungen, den Begriff „Sekt” in vielen Bereichen der Weinwelt wieder positiv zu besetzen. Er ist heute selbst eines der Sprachrohre einer Branche, die Präzision, Nachhaltigkeit und Herkunft feiert und Sekt als Spitzenprodukt neu definiert hat.
Die Zeichen stehen auf Expansion. Wenn es dem Verband gelingt, die von Anne Krebiehl in Vinous gelobten „Electric Rieslingsekts to meticulously crafted traditional styles“ auch in die Gläser internationaler Sommeliers zu bringen, ist das „deutsche Sektmärchen“ noch lange nicht am Ende. Der Grundstein ist gelegt: Es gibt Qualität, Struktur und eine neue Generation, die bereit ist, die Korken knallen zu lassen.
Die Gelegenheit den Verband der Sektmacher kennenzulernen, haben Sie am 25.4.2026 in Mainz, wenn es wieder heißt: Sektbörse, die Vierte! Anmeldungen unter Sektbörse: 10-17 Uhr Fachbesucher – ab 14 Uhr geöffnet für Publikum (Tickets an der Kasse!)
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Bei diesem Artikel handelt es sich um meine persönliche Meinung. Er wurde nicht in Auftrag gegeben und übernimmt keine Gewährleistung von Vollständigkeit. Weiterführende Links dienen der Wissensvermittlung.
Fotos – Nicole Wolbers / Logo: Verband der Sektmacher




