Transvasierverfahren – Flaschengärung erklärt!

26. März 2024 | Prickelndes Wissen

Transvasierverfahren – Flaschengärung erklärt! Manchmal wird diese Methode aus als Umfüllverfahren bezeichnet, was eine passende Beschreibung ist. Sie ist eine der möglichen Herstellungsmethoden von Schaumweinen. Auch wenn sie mit dem Begriff Flaschengärung deklariert werden darf, gibt es einen großen Unterschied zur klassischen Flaschengärung. Welcher das ist, erfahren Sie jetzt!

Das Wort Transvasieren bedeutet soviel wie umfüllen. Die Methode ist eine Möglichkeit, die Vorteile beizubehalten aber aufwendige und personalintensive Schritte der traditionellen Flaschengärung wegzulassen. Seit den 1950 iger Jahren setzte sich diese Methode gerade bei der ansteigenden Nachfrage nach Sekt weiter durch.

Bereits im 19. Jahrhundert startete man bereits erste Versuche, Schaumweine in besonderen (kleineren oder sehr großen) Gefässen zu versekten. Dies stellte sich aber oft als unmöglich oder sehr schwierig dar. Stellen Sie sich einmal eine Methusalemflasche (6 Liter) vor, unmöglich kann ein erfahrener Remueur diese riesige Flasche von Hand rütteln. Auch benötigte man neue Rüttelpulte und musste die Lagerkapazitäten erweitern. Zunächst gab es beim Umfüllen immer wieder Druckverluste, die im Zuge der verbesserten Drucktanks allerdings verringert werden konnten.

Schaumwein Keller Champagne
Transvasierverfahren - Flaschengärung erklärt!
Champagner auf Rüttelpulten

Transvasierverfahren – die Methode

Wie bei der traditionellen Methode wird auch bei dieser Methode die zweite Gärung in einer Glasflasche durchgeführt. Allerdings wird die Enthefung nicht mittels Abrütteln und Degorgieren durchgeführt, sobald die erforderliche Hefelagerzeit erreicht ist. Stattdessen werden die Flaschen in einen Drucktank entleert, unter Kohlensäuredruck gefiltert, mit der entsprechenden Dosage versehen und auf neue Flaschen wieder abgefüllt. Diese sind dann verkaufsfertig ausgestattet mit Agraffe, Korken und Folie.

Da die zweite Gärung des Sekts in Flaschen stattfindet, darf der so hergestellte Sekt als Flaschengärung deklariert und verkauft werden. Die Mindestherstellungszeit beträgt neun Monate, wobei der Mindesthefekontakt mindestens 90 Tage betragen muss (bei der klassischen Flaschengärung 9 Monate).

Transvasierverfahren – die Vorteile

Ganz klar, der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass es zum einen

  • dem Cuvée, die gewünschten autolytischen Aromen erhält
  • eine gleichbleibende, homogene Abfüllung sowie Qualität einer größeren Flaschenmenge erlaubt
  • kostengünstiger ist, da die aufwendigen Prozesse eine traditionellen Flaschengärung wie das Rütteln3 wegfallen
  • und spezielle Flaschenformate wie ein Nebukadnezar (15 Liter) erlaubt.

Der Vermerk Flaschengärung ist nicht verpflichtend und so lassen die meisten Hersteller dies weg. Der Sekt kann sowohl als Sekt (Deutscher Sekt), Sekt b.A oder Winzersekt verkauft werden.

Degorgieren von Sekt©deutschesWeininstitut
Degorgieren von Sekt © Deutsches Weininstitut

Gute Qualität zum günstigeren preis?

Leider gibt es starke Unterschiede in Bezug auf die Qualität. Auch hier ist die Grundweinqualität, also der Ursprung der Trauben, wesentlich, um dem finalen Sekt ein komplexes Aromenspektrum sowie Charakter zu verleihen. Es finden sich Flaschengärsekte im Preisbereich von etwa 5-6 Euro, die aufgrund der Kürze der Hefekontaktzeit eher fruchtig und einfach sind. Qualitätsbewusste Produzenten lagern ihre Sekte ebenso wie bei der klassischen Flaschengärung wesentlich länger auf der Hefe, und das schmeckt man. Es ist jedoch logisch, dass diese Weine einen höheren Preis erzielen müssen. Gerade in Australien oder auch in der Champagne kann man exzellente Schaumweine mit Flaschengärung finden.

Ein Problem besteht darin, dass der Konsument bei der Verwendung des Begriffs Flaschengärung automatisch das klassische Flaschengärverfahren annimmt. Dadurch wird stillschweigend an- und hingenommen, dass der Verbraucher von einer höheren Qualität ausgeht. Wenn Sie also nach einem Winzersekt oder anderen Schaumweinen suchen, die nach der Flaschengärung abgefüllt wurden, ist der Preis ein Indikator dafür, wie lange der Schaumwein auf der Hefe gelagert wurde. Denn, ob der Sekt 90 Tage oder 9 Monate und mehr in der Flasche verbracht hat, bevor er von der Hefe befreit wurde, ist ein großer Kostenfaktor.


Der große Klein Sektgut Klein Winzersekt

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Credit:

Dieser Text wurde nicht in Auftrag gegeben oder vergütet, sondern spiegelt meine Meinung wider! Weiterführende Links dienen der Information.

Foto: Nicole Wolbers – Canva Pro/DT. Weininstitut: Degorgieren

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