Flaschengärung (Transvasierverfahren)

11. März 2019 | Basics, Neues, Prickelndes Wissen

Das Transvasierverfahren (Umfüllverfahren) ist eine der Haupt-Herstellungsmethoden von Schaumweinen. Sie unterscheidet sich von der Traditionellen/Klassischen Flaschengärung darin, dass die Hefeabtrennung und Dosage in einem Drucktank stattfindet.
Aber der Reihe nach..

Herstellungsverfahren

1. Der Grundwein erhält die Tirage (Dosage), die die zweite Gärung in der Flasche initiiert und wird mit einem Kronkorken und einem Drahtgestell (der sogenannten Agraffe) verschlossen. Das C02, welches bei der Gärung entsteht, wird somit in der Flasche gefangen.
2. Nach Beendigung der Gärung bleibt der Sekt mindestens 90 Tage auf der Hefe liegen. 
SektflaschenHefelagerung©deutschesWeininstitut
3. Der entstandene fast fertige Schaumwein wird in einen Drucktank umgefüllt. Dann wird die Hefe ausgefiltert und die finale Dosage dazugegeben. 
4. Unter Druck wird eine neue Flasche mit dem fertigen Schaumwein befüllt. Sie wird nun verkorkt, mit einer sogenannten Agraffe verdrahtet und etikettiert.

Der wesentliche Vorteil bei dieser Methode liegt darin, dass das langwierige Rütteln der Hefe in den Flaschenhals sowie das Degorgieren und die Dosageauffüllung jeder einzelnen Flasche entfällt. Das sind sehr kosten- und zeitaufwändige Schritte.
Dieses Verfahren wird unter anderem in der Champagne benutzt, um spezielle Flaschenformate wie der Nebukadnezar (15l) abzufüllen.
Schaumweine, die nach diesem Verfahren hergestellt worden sind, dürfen “Flaschengärung” auf das Etikett schreiben. Aber da dieser Vermerk nicht verpflichtend ist, lassen die meisten Hersteller dies weg. Der Sekt kann der Klassifikation “Sekt” oder “Sekt b.A” – letzteres deutet auf die Verwendung regionaler Trauben hin.
EtikettFlaschengärung

Qualität und Preis

Aufgrund der Zeit- und Arbeitsaufwandsersparnis ist der Preis für “Flaschengärungs”-Sekte günstiger als bei der “klassische Flaschengärung”. Dort beträgt die Mindesthefelagerzeit 9 Monate. und jede einzelne Flasche muss degorgiert und mit der Versanddosage gefüllt werden.
Bezüglich der Qualität gehen die Meinungen auseinander, da die meiste Qualitäten bei uns sehr einfach und nicht besonders beeindruckend sind (unteres Preisniveau um die 5 Euro). Allerdings gibt es auch beim Transvarsierverfahren exzellente Schaumweine, die vor allen Dingen in der neuen Welt wie Australien zu finden sind.
Da die Schaumweinproduktion bei der “klassischen Flaschengärung” und dem “Transvasierverfahren” bis zum Enthefen und Versanddosage die gleichen sind, hängt es vom Kellermeister ab, wie sorgfältig er die letzten Schritte durchführt. Mein Eindruck war, dass die Flaschengärer im Gegensatz zu den “Traditionellen Flaschengärer” fruchtbetonter und etwas frischer sind.
Als schönes Beispiel ist ein Silvaner Sekt von der  Winzergemeinschaft FRANKEN, Wertheimer Tauberklinge Silvaner, Sekt extra trocken, Baden, Deutschland.
Aber achten Sie bei Flaschengärer unbedingt auf den Preis, da die Besseren so um die 10 Euro liegen!
Quelle:
Titelfoto StahltankImage by leohau on Pixabay
Foto Sekt mit Agraffe: Courtesy Deutsches Weininstitut

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