Bouvet-Ladubay zählt zu den traditionsreichsten Schaumweinhäusern der Loire. Das Haus aus Saumur ist bekannt für seine Crémant-de-Loire-Produktion in historischen Tuffsteinkellern. Wer an die Loire denkt, hat häufig zuerst prachtvolle Schlösser, weitläufige Flusslandschaften, hervorragende Radwege und feine Kulinarik vor Augen. In der Tat zählt das Loiretal zu den vielfältigsten Weinregionen Frankreichs. Ebenso bekannt ist, dass die Region auch zu den bedeutendsten Schaumweinproduzenten des Landes gehört. Vor allem der Crémant de Loire hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen festen Platz unter den hochwertigen Schaumweinen Frankreichs erarbeitet.
Eines der traditionsreichsten Häuser dieser Entwicklung ist Bouvet-Ladubay. Das 1851 gegründete Unternehmen mit Sitz im heutigen Saint-Hilaire-Saint-Florent bei Saumur verbindet eine bewegte Unternehmensgeschichte, die Tradition und Innovation verbindet. Heute zählt der Betriebe zu den wenigen großen Schaumweinhäusern, die sich wieder vollständig in Familienbesitz befinden.
Saumur – das Herz des Crémant de Loire
Saumur gehört zu den historischen Zentren der Schaumweinproduktion an der Loire. Die gleichnamige Stadt ist geprägt von ihrem hellen Tuffstein, der über Jahrhunderte als Baumaterial für Schlösser, Kirchen und Wohnhäuser diente. Durch den Abbau entstanden kilometerlange unterirdische Stollen, die heute ideale Bedingungen für die Reifung von Schaumweinen bieten. Schon damals schätzte man die konstant kühlen Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Sie schaffen ein natürliches Klima, das für die traditionelle Flaschengärung nahezu perfekt ist.
In diesen Kellern lagern Millionen von Flaschen (und in den letzten Jahren hat sich auch die Champignon-Zucht etabliert). Neben Bouvet-Ladubay haben auch renommierte Häuser wie Ackerman, Gratien & Meyer oder Langlois-Château hier ihren Sitz.

Eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte
Die Geschichte von Bouvet-Ladubay beginnt mit einer Verbindung, die sich als eine Besondere erwies. Célestine Ladubay stammte aus einer Bäckersfamilie und brachte ein außergewöhnliches Erbe mit in die Ehe: Rund acht Kilometer unterirdische Tuffsteinkeller, die sich hervorragend für die Lagerung und Reifung von nach der Traditionellen Methode hergestelltem Schaumwein eigneten. Ihr Ehemann Étienne Bouvet kam aus einer Bauernfamilie. Überliefert ist, dass er zudem als Küfer tätig gewesen sein soll und dadurch mit Wein und Fassausbau vertraut war. Unabhängig davon galt er als geschickter Unternehmer mit Weitblick. Gemeinsam gründeten sie 1851 Bouvet-Ladubay – das zweitälteste Schaumweinhaus von Saumur.
Die Verbindung aus geeigneten Kelleranlagen, unternehmerischem Gespür und der wachsenden Nachfrage nach hochwertigen Schaumweinen erwies sich als ideale Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg.
Marketing – Seiner Zeit voraus?
Dass Bouvet-Ladubay schnell bekannt wurde, lag auch daran, dass das Unternehmen sich geschickt vermarktete. Schon früh setzte das Unternehmerpaar auf Ideen, die ihrer Zeit sicherlich voraus waren. Kunden konnten ihre eigenen Etiketten auf die Flaschen drucken lassen – ein Service, der im 19. Jahrhundert außergewöhnlich war und dem Unternehmen zusätzliche Absatzmärkte eröffnete.
Der prickelnde Wein, der in den konstant kühlen, unterirdischen Lagerräumen reifte, verkaufte sich hervorragend. Mit dem schnell wachsendem Erfolg entstand allerdings auch eine Legende. In Saumur erzählte man sich, die Familie habe in den weit verzweigten Höhlen einen verschollenen Klosterschatz entdeckt, den der Klerus in unruhigen Zeiten dort versteckt haben soll. Nur so konnte man sich den raschen Wohlstand erklären. Historische Belege für diese Geschichte existieren nicht. Dennoch gehört sie bis heute zum kulturellen Erbe des Hauses und inspirierte später die Cuvée „Trésor“, deren Name auf diese Überlieferung verweist.

Die Belle Époque als Motor des Erfolgs
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs, denn Étienne Bouvet traf auf einen Markt des wachsenden Wohlstandes in Europa, die Belle Époque. Davon profitierte auch das Maison. Ende 1890 war der Betrieb der der bedeutendsten Hersteller von Schaumweinen nach der Méthode Traditionelle in Frankreich und exportierte bereits Millionen Flaschen in zahlreiche Länder.
Der wirtschaftliche Erfolg spiegelte sich auch in den Investitionen wider, denn Étienne Bouvet ließ Produktionsgebäude erweitern, installierte früh elektrische Beleuchtung in seinen Kellern und errichtete Wohnungen für die Mitarbeitenden. Bemerkenswert war zudem der Bau eines Theaters, das sowohl der Unterhaltung als auch der kulturellen Bildung der Belegschaft diente – für damalige Verhältnisse ein außergewöhnliches soziales Engagement -. bedingt durch seinen eigenen einfachen Hintergrund
Krisen, Eigentümerwechsel und ein langer Weg zurück
Wie viele traditionsreiche Weinunternehmen blieb auch Bouvet-Ladubay von den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts nicht verschont. Die beiden Weltkriege sowie schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen hinterließen deutliche Spuren und stellte das Unternehmen vor große Herausforderungen.
1932 übernahm Justin-Marcel Monmousseau das Schaumweinhaus. Unter seiner Leitung wurde der Betrieb modernisiert und wirtschaftlich neu ausgerichtet. Die Familie Monmousseau sollte die Entwicklung des Hauses über Jahrzehnte entscheidend prägen. Nach seinem Tod stellte sich die Nachfolgefrage erneut. 1974 übernahm das Champagnerhaus Taittinger die Mehrheitsanteile während Patrice Monmousseau (der Enkel von Justin-Marcel) weiterhin die operative Leitung innehatte.
Mit dem Verkauf der Taittinger-Gruppe an einen amerikanischen Investmentfonds wechselte auch Bouvet-Ladubay erneut den Eigentümer. Bereits 2006 ging der Betrieb an den indischen Unternehmer Vijay Mallya über. Als dessen Holding später in finanzielle Schwierigkeiten geriet und schließlich restrukturiert wurde, gehörte auch das Schaumweinhaus zu den Unternehmen, deren Zukunft offen war. Für die Familie Monmousseau eröffnete sich dadurch eine seltene Chance. Nachdem der britische Spirituosenkonzern Diageo kein langfristiges Interesse an einem Schaumweinproduzenten an der Loire zeigte, gelang es der Familie 2015, das Unternehmen zurückzukaufen – exakt 41 Jahre nach dem Verkauf der Mehrheitsanteile.

Qualität zwischen Handwerk und moderner Technik
Man versteht sich heute als traditionsreiches Schaumweinhaus mit einem klaren Blick nach vorn und produziert wird wie eh und je ausschließlich nach der Méthode Traditionnelle mit vorwiegend regionalen Rebsorten. Chenin Blanc bildet das Rückgrat vieler Cuvées und verleiht ihnen Frische, Struktur und Lagerfähigkeit. Cabernet Franc sorgt insbesondere bei Rosé-Schaumweinen für Frucht und Charakter. Ergänzt werden die Cuvées je nach Stilistik durch Chardonnay oder Pinot Noir.
Gleichzeitig investiert das Unternehmen kontinuierlich in moderne Kellertechnik, automatisierte Prozesse und eine effizientere Produktion. Ziel ist es nicht, handwerkliche Arbeit zu ersetzen, sondern Qualität und Präzision weiter zu verbessern. So soll die maximale Jahresproduktion von bis zu 6,5 Millionen Flaschen nicht überschritten werden, um dem Qualitätsanspruch gerecht zu bleiben.
Die fünfte Generation gestaltet die Zukunft
Seit 2015 steht Juliette Monmousseau als Generaldirektorin an der Spitze des Familienunternehmens. Mit ihr führt bereits die fünfte Generation die Geschichte von Bouvet Ladubay fort.
Unter ihrer Leitung verbindet das Haus seine historische Identität mit aktuellen Herausforderungen der Weinbranche. Dazu gehören Investitionen in nachhaltigere Produktionsprozesse, internationale Positionierung der Marke und die Ausrichtung eines gezielten eventbezogenen Weintourismus. Gleichzeitig bleibt die Herkunft aus Saumur ein zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie.

Wie sehr sich die Rahmenbedingungen im Weinbau verändern, zeigt sich insbesondere bei der Traubenlese. Durch den Klimawandel beginnt die Ernte vielerorts immer früher, während qualifizierte Erntehelfer zunehmend schwer zu finden sind. Zugleich ist die maschinelle Lese für Crémant de Loire nach den geltenden Vorgaben nicht zulässig. „Die Qualität der maschinellen Lese ist oft hervorragend, aber nicht erlaubt. In diesem Jahr werden wir wieder früher ernten müssen, vielleicht bereits Mitte August. Vielleicht haben wir Glück und finden Studierende, die uns bei der Lese unterstützen“, sagt Juliette Monmousseau.
Mit ihrer Einschätzung greift Monmousseau zugleich eine der aktuellen Diskussionen innerhalb des französischen Crémant-Verbands auf. Angesichts des Klimawandels, steigender Kosten und des zunehmenden Mangels an Erntehelfern wird dort über die Zukunft der ausschließlich von Hand durchgeführten Lese diskutiert. Ihre Einschätzung macht deutlich, dass die Zukunft traditionsreicher Schaumweinhäuser nicht nur von der Pflege ihres Erbes, sondern auch von ihrer Fähigkeit abhängt, auf die praktischen Herausforderungen des modernen Weinbaus flexibel zu reagieren.
Im Rahmen der Verkostung wurden unter anderem folgende Weine berücksichtigt:
Cuvée „Célestine”*, Cuvée „Tresor”*
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Schaumweinmagazin Redaktion:
Nicole Wolbers DipWSET hat sich auf internationale Schaumweinmärkte, insbesondere Sekt, Cava, Crémant sowie Champagner konzentriert. Ihr Fokus liegt auf Verkostungen, Marktanalysen und Produzentenberichte – sowie Tipps und Informationen zum Thema Schaumwein.
Credit: Fotos Nicole Wolbers
Hinweis: Der Besuch bei Bouvet Ladubay erfolgte im Rahmen einer Pressereise. Der Beitrag basiert auf eigenen Eindrücken sowie einer unabhängigen journalistischen Einordnung. Weiterführende Links dienen ausschließlich der Information.




